Die Zeit des Wartens

Nach ein paar Tagen auf der Finca, bekam ich über die Plattform Workaway eine Anfrage. William wohnt in Valencia und will mit seiner Familie eine Weltumsegelung machen. Seine Kinder werden Zuhause geschult wachsen mit vielen Sprachen auf. Das ist ihm sehr wichtig. Und für die Zeit auf dem Boot braucht er jemanden, der mit seinen Kindern deutsch spricht. Ob ich Lust dazu hätte? Im März 2022 soll es losgehen.

Was für eine Frage. Ich habe schon lange diesen Traum; leben auf einem Segelboot. Es klang perfekt. Egal wie meine Geschichte weitergeht, diese Chance muss ich prüfen. Also haben wir uns kurzerhand verabredet, dass ich nach Valencia komme damit wir uns alle kennenlernen.

Nach sieben Stunden Fahrt komme ich in einen Urlaubsort nördlich von Valencia an. William begrüßte mich, hatte aber wenig Zeit denn eine weitere Volontärin, sie ist Ärztin, erklärte ihm und seiner Frau gerade etwas über medizinische Behandlungen um an Bord vorbereitet zu sein.

Nach einer Weile fanden wir ein bisschen Zeit um zu reden. Er hat schon viel Erfahrung im Segeln. Zwei Mal hat er bereits den Atlantik überquert. Er hat sich auch schon ein Boot ausgesucht. Allerdings liegt das noch auf den Azoren. Wenn Covid es zulässt holt er es ab. Ich erklärte ihm was mir wichtig ist an Bord. Vor allem, dass die Crew passt. Damit habe ich schon gute und weniger gute Erfahrungen gemacht.

Nach gut zwei Stunden wollte die Familie ein bisschen an den nahegelegenen Pool gehen und ich wollte mich erstmal mit dem Bus einrichten. Wir beschlossen, wenn Zeit ist unterhalten wir uns einfach weiter.

Fünf Tage stand ich mit Busser am Strand in der Nähe der Familie. William fand keine Zeit sich mit mir zu unterhalten. Vielleicht passte es einfach nicht oder er hatte wirklich keine Zeit. Ich weiß es nicht. Aber ich bereue es nicht, diese Chance geprüft zu haben.

Da stehe ich nun am Strand bei Valencia und die Stadt Benidorm ist nicht weit. Hier lebt Kellie. Die Volontärin mit der Claudia und ich die Zeit auf der animal farm in Portugal verbracht haben. Ich beschloss kurzerhand sie zu besuchen. Ich hatte kaum eine Vorstellung von Benidorm. Vielleicht eine Kleinstadt am Strand. Weit gefehlt. Die Stadt hat rund 70.000 Einwohner (offiziell) und ist ein Mekka für Briten. Ein ganzes Viertel ist fest in britischer Hand. Oft musste ich mich daran erinnern, dass ich immer noch in Spanien bin.

Was für die Deutschen El Arenal ist, ist sowohl für die Briten als auch für Spanier Benidorm. Covid ist woanders. Der Stand war voller Menschen. Am Strand entlang führt eine Promenade an der sich Bars und Restaurant wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Sie waren voll von Menschen. DJs und Livemusiker spielten überall und die Luft war getränkt von Musik, Alkohol und das Lachen der Menschen. Ich war total überrascht was hier los ist. Es war sehr viel aber ich bekam wieder eine Ahnung wie es war bevor Covid über uns kam und wie schnell ich mich an diese Normalität wieder gewöhnen konnte.

Nach drei Tagen verabschiedete ich mich von Kellie. Christian macht zu dieser Zeit Urlaub mit seiner Familie in der Nähe von Valencia und wir wollten ein paar Tage miteinander verbringen bevor er wieder nach Hause flog.

Auf dem Weg zurück nach Valencia nahm ich Marcus mit. Ein Bekannter von Kellie, der seine Freundin in Cullera, südlich von Valencia besuchen wollte. Wir unterhielten uns gut während der Fahrt und er lud mich direkt zu seiner Freundin ein. Cullera ist ein niedlicher Ort direkt an einem Fluss, was sehr ungewöhnlich in Spanien ist. Das Apartment von Marcus Freundin liegt direkt an dem Fluss. Sie boten mir an, die Nacht im Apartment zu verbringen. Allerdings wollte ich lieber im Bus schlafen, nahm aber das Angebot einer Dusche aber gerne an.

Nach einer ruhigen Nacht am Fluss fuhr ich nach Valencia um Christian abzuholen. Der Plan ist zwei Tage Vanlife am Strand zu machen und dann zwei Tage im Hotel in Valencia zu verbringen.

Christian genoss sichtlich die Zeit am Strand und wir führten viele gute Gespräche. Natürlich war meine Situation Gesprächsthema Nummer 1. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und beschloss, wenn Christian nach Deutschland fliegt, fahre ich wieder zurück in die Berge. Ich warte jetzt drei Wochen. Natürlich habe ich mit IHM fast jeden Tag Kontakt. Er sagt, er denkt viel nach aber zu einem Ergebnis ist er nicht gekommen. Er lässt mich an seinem Leben teilhaben. Schickt mir Videos von ihm mit seinen Tieren in den Bergen. Ich merkte wie sehr ich das alles vermisse. Er fühlt sich sichtlich wohl in den Bergen und ich glaube es tat ihm auch mal ganz gut etwas allein zu sein.

Doch bevor es in die Berge ging, verbrachten Christian und ich noch ein bisschen Zeit in Valencia. Wir genossen ein paar Drinks in den Beachbars und schauten uns die Stadt an.

Natürlich nutzte ich die Vorteile des Hotels. Der hauseigenen Waschsalon lies meine Wäsche wieder gut und günstig riechen und ich lud all meine elektronischen Geräte auf. Und dann zum Schluss wollte ich noch meine Haare färben. Ich hatte dafür etwas vergessen und ich ging zum Bus, der auf einem Parkplatz, gut 500 Meter vom Hotel entfernt stand.

Als ich ankam fiel mir auf, dass ein Fenster leicht geöffnet war. Komisch ich hab doch alles zu gemacht. Als ich den Bus öffnete war klar, es wurde eingebrochen. Alle Schränke standen offen. Geklaut wurde „nur“ meine Kamera und meine Powerbank. Zum Glück waren all meine Wertsachen noch im Hotel. Allerdings saß der Schreck tief und ich wollte den Bus nicht mehr verlassen.

Christian und ich entschieden, die letzte Nacht nicht im Hotel zu verbringen sondern im Bus in der Nähe des Flughafens, damit ich ihn am nächsten Morgen dort abliefern kann.

In der Natur bei Busser war ich sichtlich entspannter.

Um 5 Uhr am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Christian und machte mich auf die Berge. Zurück zu meiner Geschichte mit IHM. Ich erzählte ihm von dem Einbruch und er sagte, dass es in den Bergen ruhiger sei. Bis dahin wusste er nicht, dass ich komme.

In den Bergen angekommen, war es wie ein Aufatmen. Und dann fuhr sein Auto vor. Wir haben uns drei Wochen nicht gesehen und es war für uns beide einfach nur schön sich wieder in den Armen zu liegen. Was die nächste Zeit bringt? Ich weiß es nicht. Ich bin mit Busser unabhängig und kann solange in den Bergen stehen bis sich was in unserer Geschichte bewegt. Ob er eine Entscheidung getroffen hat? Nein. Und inzwischen ist mir auch klar, dass er keine Entscheidung treffen wird. Die Angst vor dem Ungewissen ist zu groß. Da ist er kein Einzelfall. Jeder muss in seinem Leben schwere Entscheidungen treffen ohne zu wissen was danach passiert.

Auch ich habe im meinem Leben meine bisher schwerste Entscheidung getroffen und es war gut denn diese Entscheidung führte dazu, dass ich MEIN Leben lebe und auch wenn es Höhen und Tiefen gibt, fühlt es sich bis heute gut an. Es ist schwer sich treu zu bleiben. Gerade in dieser Situation in der ich mich befinde. Doch um mir selber treu bleiben zu können ist mir klar, dass ich mich nicht von seiner Entscheidung abhängig machen kann sondern meine eigene Entscheidung treffen muss. Es wird eine schwere Zeit. Egal wie die Geschichte weitergeht. Ich habe nur ein Leben und ich will diese Zeit nicht mehr damit vergeuden unglücklich zu sein.

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