Erst Nord dann Süd

Das Leben auf Liberty hat sich eingespielt. Wir drei verstehen uns und sind inzwischen ziemlich gut abgestimmt. Viele Handgriffe sitzen und wir sind zu einem Team zusammengewachsen.

Doch alles der Reihe nach. David wurde von uns mit einem kräftigen Ahoi begrüßt und schnell war klar, dass wir in ein paar Tagen aufbrechen wollen. Erst in Richtung Norden. Das ist quasi eine Testfahrt um zu sehen wie wir miteinander agieren. 

Einkaufen und putzen stand auf der To-Do-Liste. Einkaufen bedeutet, erst in das Wassertaxi steigen, dann in einem winzigen Supermarkt einkaufen und alles wieder zum Wassertaxi schleppen. Dieses fuhr uns dann aber auch direkt zum Boot. Liberty selber machte auch noch keine gute Figur. Sie bekam von außen eine ordentliche Reinigung. 2,5 Stunden haben wir zu dritt gebraucht um sie wieder weiß erstrahlen zu lassen. Später kam ein professionelles Putzteam, die Liberty von Algen am Rumpf befreit haben. Jetzt waren wir alle bereit. Leinen los und dann verließen wir Barra de Navidad und steuerten die Bahia Tenecatita an. Etwas 14 Meilen nördlich von Barra.

Der Wind meinte es gut mit uns. Wir setzten die Segel und Liberty machte ihrem Namen alle Ehre.

Bahia Tenacatita
Nach gut 5 Stunden erreichten wir die Bucht. Und wir waren nicht allein. Bis zu 52 Boote lagen in der Bucht. Absoluter Rekord. Wir haben es gern mit einem Campingplatz auf dem Wasser verglichen. Man traf sich zum gemeinsamen Spaziergang am Strand oder zum Boule spielen. Mit dem kleinen Beiboot, dem Dinghy oder mit Stand Up Paddle Boards besuchten sich die Bootsbewohner gegenseitig. Jeden Morgen um 8:30 gab es ein Radio in dem das aktuelle Wetter inkl. Wind und Gezeiten durchgesagt wurde aber auch Neuigkeiten aus der Bucht, der Gemeinschaft bis hin zu Witzen und Sprüchen. 

Bahia Tenacatita selber ist ein wunderschöner Ort. Zwei unendlich lange Strände liegen ruhig da und führen zu dem kleinen Ort La Manzanilla, der in etwa 15 Minuten mit dem Dinghy zu erreichen ist. Unweit der Stelle an dem die Boote liege, befindet sich am Strand eine kleine Bar unter Palmen, auch Palapa genannt. Ein kleines Paradies, dass allerdings kein Geheimtipp mehr ist.

Eine Bucht weiter liegt das Örtchen Tenacatita selber. Er besteht wirklich nur aus ein paar Häusern und einem unendlich langen Strand an dem es sich die Mexikaner auf Plastikstühlen unter den Sonnenschirmen gut gehen lassen.

Die tägliche Bewegung besteht aus Schnorcheln und Schwimmen. Manchmal ein Spaziergang am Strand und immer Donnerstags befindet sich in La Manzanilla selber ein Markt, der allerdings nicht ganz billig ist.

Ensenada Carrizal und Bahia Santiago
Gut 10 Tage blieben wir hier, dann war es Zeit. Zeit zu segeln und zwar immer nach Süden. Der nächste Stopp ist die Ensenada Carrizal. Eine kleine versteckte Bucht zwischen Felsen und Hügeln. Bekannt ist die Bucht für ihre Schnorchelgründe. Hier herrscht das bunte Leben. Ab und zu springen kleine Rochen aus dem Wasser, machen einige Saltos um sich danach wieder ins Wasser fallen zu lassen. Ein großer Rochenschwarm zieht seine Runden um das Boot. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Doch nach zwei Tagen kehrten wir zurück in die Zivilisation. Und die war gleich um die Ecke. Eine Stunde später ankerten wir in der Bucht Santiago. Begrüßt wurden wir von Jetskis und Booten die Touristen auf einer aufgeblasenen Banane durch die Bucht zogen um sie dann gekonnt in einer Kurve von der Banane ins Wasser fallen zu lassen. Es war Wochenende und die Mexikaner genossen ihre freie Zeit am Strand.

Las Hadas
Uns ging das Benzin aus und wir steuerten die nächste Bucht an. Wieder gleich um die Ecke liegt die Bahia Las Hadas. Geprägt durch ein 5-Sterne-Hotel, schmiegen sich weiße Häuser in die Hügel rund um die Bucht. In dem kleinen Hafen bekamen wir nicht nur Benzin sondern auch Wasser.

Das Restaurant mit dem kreativen Namen „El Restaurante“, ist bekannt für seine Blackberry Margarita. Margarita soll zu unserem Standard-Drink in Mexiko werden. Eine angenehme Art Tequila zu trinken.

Das Leben an Bord organisieren
Schnell hat David hier Anschluss gefunden und davon sollten wir alle profitieren. Mit dem Namen Randy Rockstar stellte sich uns der vollschlanke Kanadier mit langen grauen Haaren in einer Speedo-Badehose vor. Er ist professioneller Drummer und Singer und kennt sie alle. Aber vor allem bot er uns an bei ihm zu duschen, was ihn noch viel sympathischer macht. Einfach mal warm und ausgelassen duschen.

Das Leben auf einem Segelboot, zu dessen Hauptbeschäftigungen schnorcheln, schwimmen, segeln und kühle Getränke genießen gehört, erscheint von außen recht schnell als ein Leben im Dauerurlaub. Aber alles hat auch eine andere Seite und dazu gehört, dass eine Dusche absoluter Luxus ist. Sich sauber fühlen und vor allem das Salzwasser aus den Haaren für einen Tag zu bekommen.

Es gab auch Außenduschen. Diese Chance habe ich genutzt um meine Haare zu färben. Die Farbe habe ich auf dem Boot in die Haare einmassiert. Anschließend Shampoo in den Bikini gestopft und an den Strand geschwommen. Haare auswaschen und dann gehts schwimmend wieder zurück zu Boot.

Genauso Luxus ist gewaschene Wäsche. Mal eben die Wäsche im Hotel oder am Hafen abgeben, weit gefehlt. Mit zwei großen Säcken voller Wäsche maschierten Claudia und ich den Berg hinauf zur nächsten Busstation. In der nahegelegenen Stadt bei Manzanillo soll es Wäschereien geben. Nur wann fährt der Bus? Wir warteten….

Und dann tauchte ein Auto auf, auf dem ganz blass „Lavanderia“ stand. Ich winkte spontan und der nette Mexikaner hält an. Nein, die Wäscherei gibt es nicht mehr aber er kann uns zur Stadt fahren. 5 Minuten später standen wir vor der ersten Lavanderia. „Die Wäsche bis heute Abend noch fertig bekommen? Nein, dass schaffen wir nicht“ also auf zur nächsten. In der dritten Lavanderia hatten wir Glück und gaben die beiden Säcke ab. 30 Minuten zu Fuß gingen wir zurück zum Boot.

Als wir am Abend wieder zur Lavanderia gingen um die Wäsche abzuholen, bemerkten wir, wie sich die Menschen entlang der Hauptstraße mit Stühlen positionierten. „Was ist denn hier los?“ fragten wir den freundlichen Mann der uns  unsere Wäsche aushändigte. „Es ist Karneval“. Yeah Karneval in Mexiko. Das mussten wir sehen und so setzen wir uns auf unsere Wäschesäcke und warteten. Wenig später zog der Karnevalszug durch die Straßen und die Luft war durchtränkt von Samba-Musik. Eine tolle und spontane Überraschung.

Nach zwei Tagen Einkaufen, Wäsche waschen, Wasser und Benzin tanken, sauber machen und Haare färben waren wir startklar. Immer weiter nach Süden.




























































































































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