Unentdecktes Alentejo

Wenn jemand von Portugal spricht, dann werden meistens die steilen Klippen an der Westküste beschrieben oder die Algarve mit ihren traumhaften Stränden. Portugal gilt als Surferparadies und die bekanntesten Städte Lissabon und Porto stehen ganz oben auf der Must-See-Liste.

Allerdings besitzt Portugal noch eine ganz besondere Perle, die, wie mir scheint, noch als Geheimnis gehütet wird: Alentejo.

Die dünn besiedelte Region im Süden Portugals. Erstreckt sich süd-westlich von der Region Lissabon bis runter an die Algarve und grenzt östlich an Spanien. Mir war diese Region völlig unbekannt und wir entdeckten dieses Gebiet auch eher zufällig auf dem Weg nach Spanien. Olivenplantagen, Kork- und Steineichenwälder (Hauptanbaugebiet) prägen das Landschaftsbild. Auch der Weinanbau hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen, was sich in der Landschaft widerspiegelt.

Wir befanden uns gerade westlich von Lissabon und beschlossen wieder nach Spanien zu fahren. Das Gefühl an der Küste nicht erwünscht zu sein, breitete sich immer mehr in uns aus. In Spanien ist das Wildcampen einfacher und somit sollte unser Weg quer durch Portugals Inland führen, immer Richtung Süden um dann an unserem Lieblingsspot am Strand von Punta Umbría Silvester zu verbringen.

Unser Ziel für die nächste Nacht ist der Stausee von Alqueva (Barragem do Alqueva). Der größte von Menschen geschaffene See Europas, gilt inzwischen als Naherholungsgebiet und wird von dem Rio Guadiana gespeist. Der Weg dahin führte uns durch das Städtchen Évora. Eine kleine pittoreske Stadt mit etwa 57.000 Einwohnern, deren Altstadt 1986 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde.

Wir entschieden uns spontan zu halten um einen Spaziergang durch die Altstadt von Évora zu machen. Kleine Gassen mit Souvenir-Läden, gemütliche Restaurants und individuelle Läden, die portugiesische Kostbarkeiten anbieten, führen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir erreichten den Praça do Giraldo, den zentralen Platz an dem die die Kirche Santo Antão aus dem 16. Jahrhundert steht. Menschen saßen draußen in Cafés und genossen die Sonnenstrahlen. Es herrschte eine gelassene Geschäftigkeit. 

Wir gingen weiter quer über den Platz und kamen etwas oberhalb zu der Kathedrale von Évora. Sie ist eine der größten und wichtigsten gotisches Bauwerke Portugals. Im 12. Jahrhundert erstmals erbaut und bis in das 18. Jahrhundert erweitert, wurde die Kathedrale 1497 durch eine Legende bekannt. Diese besagt, dass die Fahnen der Flotte des weltberühmten Seefahrers Vasco da Gama für seine erste Reise in dieser Kathedrale gesegnet wurden. Auf dieser Reise hat sein Schiff als erstes europäisches Schiff, Indien auf dem Seeweg um Afrika erreicht.

Wir konnten für 3,50 EUR auf das Dach der Kathedrale steigen. Von hier hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und das Umland von Alentejo. Durch den Kreuzgang, deren Dach man auch mittels Wendeltreppe besteigen kann, gelangen wir in die Kathedrale selber. Es legte sich Stille auf uns und wir betrachten andächtig die 70 Meter lange Kirche.

Dann ging es wieder hinaus ins Freie. Unweit von der Kathedrale steht der römische Diana-Tempel. Das Wahrzeichen Évoras. Vermutlich im 2. Jahrhundert erbaut, bildete er zur römischen Herrschaftszeit das Zentrum der Stadt. Der Jardim Diana grenzt an den Tempel und bietet einen schönen Blick auf die Ebene Alentejos.

Es ist Zeit den Rückweg anzutreten. Durch die kleinen beschaulichen Gassen über den Praça do Giraldo zurück zu Busser.

 

Wir waren auf Évora nicht vorbereitet. Schade, im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Also habe ich mal für euch zusammengetragen was es noch in dieser wirklich anschaulichen Stadt zu entdecken gibt. Wer weiß, vielleicht kommt ihr ja auch eines Tages mal an Évora vorbei. Dann seid ihr etwas besser vorbereitet als wir 😉

  • Die Kirche Igreja dos Loios, die berühmt für ihre Kacheln ist.
  • Die Knochenkapelle (Capela dos Ossos), die vollständig mit menschlichen Knochen verziert ist.
  • Die benachbarte São Francisco Kirche.
  • Das Aquädukt des Silberwassers (Aqueduto de Água de Prata), das bis heute zur Wasserversorgung dient und zwischen den Rundbögen kleine Häuser regelrecht eingequetscht wurden.
  • Der Königspalast Paço dos Condes de Basto, eine der ehemaligen königliche Residenzen der Könige von Portugal.
  • Das Recinto Megalítico Dos Almendres. Etwas außerhalb von Évora befindet sich das bedeutendste Megalithbauwerk Portugals. 

Beeindruckt von Évora ging es dann trotzdem weiter zum Stausee von Alqueva. Unser heutiger Schlafplatz sollte ein ganz besonders friedlicher Ort sein. Die Straße, die dorthin führt, zweigt von der Landstraße ab und wird mit jedem Meter enger, dichter bewachsener und die Schlaglöchern häufen sich. Wir kämpften uns mit Busser durch und wurden mit einem direkten Blick auf den See belohnt. Wir waren die Einzigen weit und breit. Die Schönheit der Landschaft sagte uns gute Nacht, bezauberte uns mit einem unglaublichen Sternenhimmel und begrüßte uns mit einer eisigen aber klaren Luft.

Mein Interesse für Alentejo war längst geweckt und ich entdeckte das Dorf Monsaraz. Unweit des Sees liegt es auf einem Hügel und man soll von dort aus einen wunderschönen Blick auf die Landschaft haben. Also fuhren wir am nächsten Morgen spontan hin.

Ich wurde nicht enttäuscht. Wir schlenderten gemütlichen durch die schmalen Gassen an den weiß getünchten kleinen Häusern vorbei. Kleine Geschäfte boten handwerkliche und kulinarische Kostbarkeiten aus dem Dorf und der Region an und von der Castelo de Monsaraz hat man einen 360 Grad Blick über Alentejo. Die Sonne glitzerte im Stausee von Alqueva und der stahlblaue Himmel rundete das Gesamtbild ab. Monsaraz; für mich ein wirkliches Highlight der Region Alentejo.

 

Alentejo ist wirklich noch ein Geheimtipp. Touristen werden hier nur selten gesehen. Wir haben nur Portugiesen getroffen. Die Fahrt durch diese Region war wirklich ein Genuss für alle Sinne. Der Rio Guadiana begleitete uns und wir verbrachten an ihm noch eine Nacht, bevor wir die Grenze zu Spanien überquerten.

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